Im Nachtzug nach Sizilien Eine Reise von Mailand an die Südspitze Italiens per Zug

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Denkt man an Urlaub in Sizilien, scheint die Idee, die Reise dorthin auf dem Schienenweg anzutreten auf den ersten Blick eher absurd. Zu lange scheint die Fahrt, zu teuer das Ticket, neben der Tatsache, dass die südlichste Region Italiens ja bekanntlich eine Insel ist. Die ersten zwei Punkte müssen jedoch nicht unbedingt sein, kann die Fahrt dorthin doch auch sehr angenehm sein und das Ticket, rechtzeitig gebucht, preislich mehr als nur konkurrenzfähig zum Flugzeug. Und was das Problem mit der Insel betrifft…später mehr dazu!

Will man also mit dem Zug nach Sizilien, hat man verschiedene Möglichkeiten: Zum einen verkehrt zweimal täglich ein Intercity von Rom nach Palermo/Siracusa, mit dem die Fahrt von der italienischen Hauptstadt bis auf die Insel je nach Ziel acht bis zehn Stunden dauert. Zum anderen gibt es aber auch mehrere Nachtzüge, die einem über Nacht komfortabel und zeitsparend in die südlichste Urlaubsregion Italiens bringen. Während zwei davon ebenfalls von Rom aus verkehren, beginnt ein Dritter seine lange Fahrt bereits im norditalienischen Mailand. Von einer Reise nach Sizilien mit ebendiesem Zug an Ostern folgt nun ein kleiner Bericht.

Die Fahrt beginnt in Milano Centrale, wo zur Abendzeit sehr viele andere Reisende sowie auch Pendler unterwegs sind, entsprechend groß das Gedränge in der imposanten Wartehalle. Etwa 20 Minuten vor Abfahrt des Nachtzuges nach Sizilien wird das Gleis angegeben, worauf eine ganze Menge Leute vollbepackt mit Koffern und Taschen in Richtung Zug strömt, der gerade bereitgestellt wird.


 
Abfahrt in Mailand ist schließlich kurz nach 8 Uhr abends, was einem die Möglichkeit gibt, sich in aller Ruhe im Abteil einzurichten und vor dem Schlafengehen noch ein wenig mit Mitreisenden zu plaudern, während der Zug in der einsetzenden Dunkelheit immer weiter südwärts fährt.


 
Am nächsten Morgen fällt der Blick beim Aufwachen ziemlich schnell aus dem Fenster. Mit vielen Tunnels, Brücken und immer wieder fantastischen Ausblicken auf das Meer führt die Strecke nämlich für mehrere Stunden der Westküste Kalabriens entlang bis ans südliche Ende des italienischen Festlands. Währenddessen bekommen Schlafwagenpassagiere ein kleines Frühstück bestehend aus einem Kaffee sowie einem Stück Gebäck ins Abteil serviert.


 
Kurz vor Mittag erreicht der Zug dann Villa S. Giovanni im Süden Kalabriens, wo der wohl interessanteste Teil der Reise beginnt: Da nämlich trotz verschiedener Machbarkeitsstudien und zahlreichen politischen Versprechungen eine Brücke vom italienischen Festland nach Sizilien über die Meerenge von Messina noch immer nur auf dem Papier existiert, wird der ganze Zug hier kurzerhand auf eine Fähre verladen. Die ganze Prozedur von der Ankunft in Villa S. Giovanni bis zur Abfahrt in Messina dauert dabei gute 2 Stunden, da der ganze Zug zu lang für die Gleise auf der Fähre ist und deshalb während dem Verladen in Villa noch aufgeteilt, bzw. in Messina wieder zusammengefügt werden muss.


 
Die Fährüberfahrt an sich dauert schließlich keine 30 Minuten, in der Zwischenzeit kann man den Zug verlassen und auf dem Sonnendeck die frische Meeresbrise genießen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, in der Schiffscafeteria noch Getränke und Snacks für den letzten Teil der Reise zu kaufen. Dies ist insofern nicht unwichtig, da im Zug trotz der langen Fahrtdauer leider weder ein Bar- noch ein Speisewagen vorhanden ist!


 
In Messina wird anschließend der Zugteil nach Siracusa abgetrennt, bevor nach einem längeren Aufenthalt der letzte Teil der Fahrt entlang der Nordküste Siziliens in Richtung Palermo beginnt. Auch diese Strecke verläuft grösstenteils wieder direkt am Mittelmeer, vorbei an Milazzo, von wo aus Tragflügelboote auf die äolischen Inseln verkehren, und Touristenzielen wie Capo d’Orlando oder Cefalù. Der Endbahnhof Palermo Centrale wird schließlich um etwa halb fünf Nachmittags erreicht, also nach beinahe 20 Stunden Zugfahrt!


 
Alles in allem dauert eine Fahrt mit dem Nachtzug nach Sizilien also zwar relativ lange, aber gerade dank der Fährpassage und den immer wieder fantastischen Ausblicken auf das tiefblaue Mittelmeer ist sie doch auch sehr kurzweilig und entspannend. Bringt man genug Proviant, Lesestoff und sonstige Unterhaltung mit auf die Reise, ist es in meinen Augen die beste Variante, stressfrei in einen tollen Sizilienurlaub zu starten.

Drei (von vielen) Highlights in Sizilien:


 
 Der Zug:
Der Zug besteht aus zwei Teilen, einem nach Catania und Siracusa und einem zweiten nach Palermo. Jeder führt mehrere “C4 Comfort“ Liegewagen mit 4er Abteilen sowie einen Schlafwagen mit 1er/2er/3er Abteilen. Beide Wagentypen verfügen dabei über eine Klimaanlage, in den Schlafwagenabteilen gibt es ausserdem Steckdosen sowie ein kleines Waschbecken mit Spiegel, während Toiletten jeweils an den Wagenenden zu finden sind. Wie bereits erwähnt führt der Zug leider keinen Speisewagen, so dass man sich vor Abfahrt noch genügend Verpflegung für die Fahrt besorgen sollte.

Tickets und Railpass-Reservierungen:
Will man beim Ticketkauf Geld sparen, empfiehlt sich ein frühzeitiger Kauf. Mit dem limitierten Tarif “Super Economy“ ist die Fahrt von Mailand nach Palermo im 4er Liegewagen zum Beispiel bereits ab 39 Euro zu haben, im Single-Schlafwagenabteil ab 69 Euro, für die lange Fahrt also ein echtes Schnäppchen.

Für Preise und Kauf: Trainline oder ACPRail oder Trenitalia.

Railpass-Reservierungskosten (obligatorisch für Liege- und Schlafwagen) für Nachtzüge in Italien finden sich hier: Aufpreise

felix

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I'm a civil engineering student from Switzerland who loves traveling, whenever possible by train. After all, the journey is its own reward...
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